Folge 11: Charles Dickens – A Tale of Two Cities

Die KuKuLiZe brauchte einige Zeit um die zurückliegende Episode abzuschließen. Kein anderes Werk hatte bislang einen so nachhaltigen Eindruck und derart tiefe Spuren hinterlassen wie »The Art of Fielding« bzw. dessen Baseball-Bezug. Im überschweifenden Rausch der Literatur schloß der Pressesprecher Anfang Mai letztlich endgültig mit diesem Sport ab, auch wenn ihn die Thematik ob der Begeisterung der weiteren Mitglieder einfach nicht loslassen will (sogar seine Lieblinge aus dem Fernsehen quälen ihn damit).

Aber es muss weitergehen. Dieses Mal also Weltliteratur. Doch die Runde will sich nicht so recht damit anfreunden. Teil-KuKuLiZes werden angeregt und wieder verworfen. Sprache, Thematik und Umfang wirken sich dieses Mal derart lähmend aus, dass die Lesequote beim Event eigentlich zum schämen ist. Doch die KuKuLiZe weiß sich zu helfen: Der Gastgeber brilliert durch Vorbereitung und hält Bilder der im Buch vertretenen, unzähligen Charaktere bereit. Auf diese Weise arbeitet sich die Gruppe immer besser in die Materie ein und kann das verworrene Netz aus Tätern, Opfern, Spionen, Revoluzzern und Mitläufern schließlich sogar entwirren. Auch so manche im Verborgen liegende Familiengeschichte des Werks kann so aufgearbeitet werden. Dabei zeigte sich, dass Gastgeber Sascha erneut ein äußerst glückliches Händchen bei seiner Auswahl der vertretenden Fotoköpfe hatte. So mancher Charakter in und im Umfeld der Gruppe ließ auf diese Weise Dickens’ Geschichte verständlicher werden. Nur Chrissi sieht aus wie ein blinder Jazz-Pianist und Jannis übt immer noch sein Katie Holmes-Lächeln. Auch die im Hintergrund laufenden Verfilmungen halfen bei der Aufarbeitung. Die ähnlich lautende 250. Episode der Simpsons hatte widererwartend wenig mit Literatur zu tun und ähnelt eher einer Lobhudelei auf »The Who«. Zum Ende stellte sich auch bei Nicht-Lesern Symphathie für die Geschichte ein, dennoch blieb man bei der Lesefreude (bis auf Jessis erfreuliche Ausnahme) weit hinter den bisherigen Titeln.

Das Drumherum ist wie gewohnt, erhofft und erwartet spektakulär sowie schnell erzählt: Jakobs gute Laune ist sogar im vorbeifahrenden Wagen der Leuschners zu hören und stört Jessica in ihrer Lesekonzentration. Kulinarisch überzeugt der Abend und agiert in einer zeitgemäßen Variation der einfachen Küche des früheren Englands und Frankreichs. Profane Erbsensuppe wird so zu einer »Soupe aux pois avec menthe et larde maigre fumé«, auch wenn in Deutschland einfach kein vernünftiger Bacon zu bekommen ist (altes Problem). Der anschließende, über Nacht eingelegte Schweinebauch aus Sous Vide mit finaler Flambierung verrußt fast die gesamte Küche (zum Glück brennt Beton schlecht), schmeckt aber köstlich, wenn er mit Blutwurst-Sauce ertränkt wird. Viel besser als auf den Philipinen, wo er lediglich in Öl frittiert wird. Stephanie schwächelt bzw. mogelt vorher mit TK-Pizza. Manchen Leuten ist Geschmack einfach nicht beizubringen. Aber sie schlägt sich tapfer und probiert sogar Rosenkohl. Bei Gin Tonic, Cidre, Bayreuther Hellem oder eben nur französischem, geminztem Wasser mit Lurch-Eiskugeln macht man sich später über die Käseplatte her, verschmäht den an Hustenmedizin erinnernden Salbeikäse und genießt die laue Sommernacht. Mit Teresa steht sogar plötzlich ein Überraschungsgast vor der Tür und es ergibt sich eine muntere Diskussion über Jakobs Alkoholkonsum (sogar Consti schont sich zunächst mit Light Beer) und kommende Trend-Drinks. Die KuKuLiZe setzt auf Rhabarber in den Gläsern der Damen auf den Terassen der lokalen Nobel-Italiener, auch wenn Dragonfruit-Bärlauch im Biermixgetränk des Sommers 2014 eine womögliche Alternative darstellen wird. Sascha glaubt da mehr an Chutneys. Birnen-Senf zum Käse soll es aber bitte weitergeben. Der Mix des Gastgebers für einsame Stunden aus Whisky und Whisky-Likör regt die Stimmung schließlich derart an, dass die Nachbarn um ihren Schlaf gebracht werden und Protest schreien. Die Spießer sind auch im früher so berüchtigten Schöneberg angekommen. Vermutlich führt die Gentrifizierung in dieser Gegend tatsächlich bald zur Umbenennung in Pleasant Hill. Die Gruppe trennt sich, nicht ohne mit Strafzahlungen die Kasse wachsen zu lassen und das nächste Werk zu beschließen. Etwas Gefälligeres muss her und was würde da besser passen als die jüngste Veröffentlichung des Schweizer Autoren mit beängstigendem Output an Romanen und Oliven aus Guatemala. Trotz Urlaubszeit soll die KuKuLiZe auch fordern, so dass man sich nicht nur auf die Dahlien, sondern auf »Allmen Komplett« einigt. Gastgeber wird der Pressesprecher in seinem Boft sein. Er kann sich mit Allmen einfach zu gut identifizieren: »Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten.« (zitiert nach der Verlagsbeschreibung von Diogenes für den ersten Teil »Allmen und die Libellen«)

Weltliteratur, my ass!

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